Cendres+Métaux SA - Neuentwicklungen und Akquisition

Pressebericht Bieler Tagblatt – 03.10.2016

Künstlicher Zahnersatz und mechanische Uhrwerke

Nach einer turbulenten Phase sieht sich die Bieler Cendres+Métaux auf Kurs. Neuentwicklungen und Akquisitionen verdeutlichen den Strategiewechsel. So hat auch die Momo Plus AG eine neue Heimat gefunden.

Tobias Graden

Kürzlich hatte die Cendres+Métaux an ihrem Sitz an der Bözingenstrasse volles Haus. Mehr als 100 Zahnärzte und Zahntechniker aus 13 Ländern nahmen an einem Fachkongress teil und liessen sich den Betrieb zeigen. Anlass dafür war ein neu entwickeltes Material, in das die Cendres+Métaux grosse Hoffnung setzt. Pekkton heisst es, es ist ein Kunststoff, ein sogenanntes Hochleistungs-Polymer.

In der Zahntechnik kommt immer weniger Gold zum Einsatz, und auch Keramik hat seine Nachteile. Gefragt sind heute Kunststoffe, welche die Vorteile der anderen Materialien vereinen, ohne ihre Nachteile aufzuweisen. Ein solches Material ist Pekkton. «Es hat die guten Eigenschaften des Goldes, ist aber einfacher und günstiger in der Verarbeitung», sagt Arne Faisst, der seit der Divisionalisierung den Bereich CM Medtech leitet. Pro Anwendung werde weniger Material gebraucht. Ausserdem komme es den natürlichen Verhältnissen im Mund nahe und biete durch seine Leichtigkeit einen viel höheren Tragekomfort für den Patienten im Vergleich zu herkömmlichem Metallersatz. Kurz: Die Zukunft im Dentalbereich gehört Stoffen wie Pekkton, und das Bieler Unternehmen hat dafür bereits im Juni ein Symposium in Südkorea veranstaltet, um die Experten im asiatischen Raum zu überzeugen.

Gold ist weniger wichtig

Dass die Cendres+Métaux solche Entwicklungen nicht nur der Fachwelt, sondern auch der breiten Öffentlichkeit kommunizieren will, hat bestimmte Gründe. Das Unternehmen ist immer noch in erster Linie für seine Gold- und Edelmetallverarbeitung und damit als Zulieferer für die Uhren- und Schmuckbranche bekannt. Doch nicht die Lage in diesen Bereichen hat sich in den letzten Jahren tiefgreifend verändert. Einerseits verzeichnet die Branche allgemein eine Baisse, anderseits haben die Hersteller zunehmend ihre Fertigungstiefe erhöht und Produktionsschritte ins eigene Haus geholt. Heute macht der Bereich CM Medtech zwei Drittel des Umsatzes der Cendres+Métaux aus, und Entwicklungen wie Pekkton sollen sicherstellen, dass die Firma in diesem Markt langfristig Chancen hat.

Pekkton ist in der Schweiz bereits auf dem Markt, andernorts dauert es teilweise noch etwas länger, weil die Zulassung ein langwieriger Prozess ist. Das Potenzial des Materials ist aber auch von dritter Seite bestätigt worden: Das US-Magazin «Inside Dental Technology» hat Pekkton kürzlich zum «game-changing product» des Jahres 2016 gewählt.

«Gesunde Kostenbasis»

Cendres+Métaux hat keine einfache Zeit hinter sich. Die Umstrukturierung in die zwei Divisionen Medtech und Luxe und die Marktlage hatten mehrere Entlassungen auch auf Management-Ebene zur Folge, die nicht ohne Nebengeräusche abliefen (das BT berichtete). Marco Zingg, der zurzeit Verwaltungsratspräsident ist und als Delegierter des Verwaltungsrats das Unternehmen auch operativ leitet, zeigt sich nun aber überzeugt, dass diese Phase gemeistert ist. «Die notwendigen Einschnitte sind erfolgt, wir stehen nun auf gesunder Kostenbasis», sagt Zingg. Der personelle Umbau sei abgeschlossen – die Cendres+Métaux zählt derzeit in Biel 320 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, in den Tochtergesellschaften weitere 80. Das Unternehmen ist nun anders aufgestellt, denn in der Vergangenheit habe man mit hausgemachten Problemen zu kämpfen gehabt: «Das Verhältnis der Strukturkosten zum erwirtschafteten Umsatz passte nicht mehr zusammen», sagt Zingg.

Ein interessanter Kauf

Nicht nur in der Division CM Medtech blickt man wieder nach vorne, sondern auch im Bereich Uhren. Kürzlich hat die Cendres+Métaux die Bieler Momo Plus AG übernommen; finanziert wurde der Kauf durch erwirtschaftete Eigenmittel. Die Momo Plus ist zwar ein kleines Unternehmen (Cendres+Métaux übernimmt alle acht Mitarbeiter), aber ein höchst interessantes: Es hat ein eigenes mechanisches Uhrwerk entwickelt, das als Alternative zum Klassiker aus dem Hause Swatch Group gilt, dem ETA 2892 (das BT berichtete). Anders gesagt: Die Cendres+Métaux wird so zum Anbieter von mechanischen Uhrwerken.

Das ist von Relevanz, weil die Swatch Group entschieden hat, künftig nicht mehr zum Verkauf von Uhrwerken an Dritte gezwungen sein zu wollen. Alternativen auf dem Markt dürften trotz des zwischenzeitlichen Sinneswandels bei der Swatch Group (im Juni liess sie verlauten, gleichwohl wieder mehr Uhrwerke an Dritte abgeben zu wollen) bei unabhängigen Uhrenherstellern dennoch gefragt sein, versprechen sie doch eine grössere Berechenbarkeit, als dies zuletzt seitens ETA der Fall war.

Modulares Uhrwerk

Marco Zingg jedenfalls sagt: «Die Momo Plus AG war eine versteckte Perle.» Das Geschäft kam über persönliche Kontakte zustande: Zingg kennt den Ehemann der Momo-Plus-Besitzerin und Geschäftsführerin Tzuyu Huang aus seiner Zeit in der Velobranche. Das Uhrwerk mit dem Namen K1 ist modular aufgebaut, es kann mit kleinen Änderungen in den Montageschritten in 18 Versionen gebaut werden, und das auch in kleinen Stückzahlen. «Wir können sehr kurzfristig kundenspezifische Lösungen anbieten», sagt Zingg. Das Werk ist nahezu 100 Prozent Swiss made, auch die gesamte Hemmungseinheit inklusive verschiedenen Spiralvarianten ist selber entwickelt und wird von Momo Plus in Kooperation mit unabhängigen Spezialisten gefertigt. Auch dies dürfte in der Uhrenbranche aufhorchen lassen, sind doch die meisten Hersteller abhängig von Spiralen aus dem Hause der Swatch-Group-Tochter Nivarox FAR. Doch Zingg dämpft die Erwartungen: «Wir sind derzeit noch nicht in der Lage, die Hemmungseinheit in grossen Stückzahlen zu fertigen.» Eine Weiterentwicklung des Sortiments in diese Richtung sei aber ein Ziel.

Zügeln an die Bözingenstrasse

Wie viele Uhrwerke künftig verkauft werden sollen, das sagt Marco Zingg nicht. Das Kaliber K1 ist ab Januar 2017 erhältlich, an der Branchenmesse Baselworld wird die Cendres+Métaux damit vertreten sein. Die Momo Plus AG, die rückwirkend per 1. Juli übernommen wurde und in Cendres+Métaux Microtech AG umfirmiert wird, zügelt nun in den Erweiterungsbau an der Bözingenstrasse.

Der BT-Artikel zum Kaliber K1 www.bielertagblatt.ch/uhrwerk

Cendres+Métaux gewinnt Marktanteile

In der Schweizer Uhrenbranche läufts derzeit nicht rund. Die Exportzahlen des Verbandes sind seit Monaten im zweistelligen Minusbereich. Die Cendres+Métaux verzeichnet laut Marco Zingg aber nur einen Rückgang «im tiefen einstelligen Prozentbereich», was bedeutet, dass sie Marktanteile gewinnt. Zingg sieht die Entwicklung der Branche aber «wesentlich kritischer, als dies von den grossen Playern kommuniziert wird». Die verlorenen Volumen würden nicht gänzlich zurückkommen: «Man hat Trends unterschätzt: Gerade die junge Generation in Asien wird ihr Bedürfnis nach Uhren nicht mehr mit traditionellen Schweizer Uhren abdecken.» tg

Donnerstag, 20. Oktober 2016

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